Es ist vollbracht. Am 6.12.06, Nikolaus, hat die ALDEBARAN die Karibik erreicht. Seit den Kapverden sind wir, mit für unsere Verhältnisse, fantastischer Geschwindigkeit erst über den großen Teich und dann quer durch die Leeward Islands nach St. Martin gekommen. Im Wesentlichen sprechen die Bilder für sich. Da wir diesmal einen besonders großen Zeitabschnitt zusammenfassen, haben wir es ein wenig nach Orten gegliedert.
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Zunächst noch mal zu den Kapverden. Während Martin und Klaas mit dem aus Hamburg eingeflogenen Film- und Tauchteam (Frank, Anke und Uli) und unserem lokalen Guide John nach Boavista unterwegs waren, quartierten sich Dimitri, Felix, Caro und Jürgen mal bei einer Pension auf Palmeira oder einem der vielen, meist französischen Schiffe auf der Reede Palmeiras ein.
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Karl-Heinz der Stützpunktleiter des deutschen Hochseesegelvereins TransOcean und von den Einheimischen nur Carlos genannt, organisierte für die ganze Crew eine spannende Rundfahrt über die Insel. Wir nennen ihn nun auch nur noch Carlos und er hat uns den Aufenthalt hier echt versüßt.
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Caro hatte Gelegenheit, ihrem Beruf im normalen Alltag nachzugehen und in der Schule zu unterrichten. Das gelbe Schiff war im positiven Sinne schon nach kürzester Zeit sehr bekannt und wurde von interessierten Seglern aus aller Welt besucht. Vor der Abfahrt haben wir noch mal nett gefeiert, bevor wir schließlich am 16.11. nach Sonnenuntergang den Anker lichteten. Nun war auch unser letzter Mitsegler Peter eingetroffen.
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Wir lagen auf der Reede in vorderster Reihe und somit mussten wir mit dem Freikommen des Ankers sofort das Kommando zum Segelsetzen geben. Mittlerweile hatten wir hier gute Freunde gewonnen und schoben uns nun langsam beim Abschied durch die Reihen, zwar ohne störendes Motorengeräusch, aber mit musikalischer Untermalung, wie könnte es anders sein: „Sail Away!“. Ein Gänsehautmoment, der allen in Erinnerung bleiben wird, da diese Insel für uns alle aus ganz unterschiedlichen Gründen etwas Besonderes bereithielt.
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Wir segelten über Nacht zur Nachbarinsel Sao Nicolao, wo auf unruhiger Reede vormittags der Anker fiel. Sogleich hatten wir Besuch von zwei Einheimischen und kamen ins Gespräch. Wir gaben Ihnen sogleich die Gelegenheit sich ein Taschengeld zu verdienen, in dem Sie uns beim Besorgen einiger Lebensmittel behilflich waren. Im Anschluss machten wir eine Tour über die Insel, die uns mit ihren grünen Farben überraschte, ganz anders als die Wüste von Sal. Ebenfalls in Erinnerung werden uns tausende von riesigen Spinnen bleiben, die in ebenso riesigen Netzen links und rechts des Weges und von allen Häusern hingen.
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Nach Sonnenuntergang fuhren wir über Nacht weiter nach Sao Vicente, ein bereits weitgehend erschlossener Teil des Archipels. Zunächst wollten wir von den Kanaren kommend unbedingt hier her, haben uns aber zum Glück anders entschieden und sind dann doch nach Sal abgedreht.
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In Mindelo, dem Hauptort auf Sao Vicente, herrscht nämlich eher Masse statt Klasse und auf dem Weg zum Cybercafe wären wir beinahe unseren Laptop losgeworden. Kriminalität hat hier leider bereits eine ganz andere Dimension erreicht, deshalb fiel es uns auch nicht schwer, am 19.11. schließlich den großen Schritt zu wagen: Abfahrt über den Atlantik! Auf zu neuen Ufern und damit Abenteuern!
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Die Atlantiküberquerung verlief relativ unspektakulär. Bei besten Segelbedingungen kamen wir von Beginn an schneller voran als gedacht. Wir hatten kaum unangenehmen Seegang und konnten alle Segel nutzen, zunächst noch viel Spi, bis der Kurs dann immer platter wurde, der Wind also direkt von hinten kam. Wir bäumten die Genua aus und fuhren Schmetterling, ergänzten diese Segel dann um zusätzlich die große Fock gegenüber der Genua, unter der wir zudem die gedrehte Sturmfock hissten. Am Achtertag haben wir außerdem die kleine Fock gefahren, mehr Segelfläche ging dann aber wirklich nicht. Caro sorgte während der ganzen Zeit für kulinarische Highlights, es wurde fast täglich gebacken und beim Fischen hatten wir auch Erfolg und mehrmals dicke Brocken am Haken (meist Goldmakrelen).
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So vergingen die Tage. Nach dem Motto “Every day was just another day at the office”. Am 27.11. schließlich definierten wir unseren Standort als “Atlantikmitte”, da es sowohl zur nächsten kapverdischen (Sao Antonio) als auch zur nächsten westindischen Insel (Barbados) genau 1000 Seemeilen waren. Dies bedeutete aber auch, Zeit für eine angemessene Atlantiktaufe der Erstüberquerer Dimitri, Caro, Jürgen, Felix und Peter.
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Sie ließen alles über sich ergehen, was wir uns für sie ausgedacht hatten. Sie mussten niederknien und bereuen, die Reise je angetreten zu haben. Ganz zünftig wurde sie mit atlantischem Wasser getauft und mit Spezialsauce als echte Seefahrer markiert.
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Die Bedingungen blieben bis wenige Tage vor dem Landfall sehr gut. Erst zum Schluss sorgten die weit im Norden durchziehenden Orkantiefs für einen zunehmenden Seegang und mehr Wind als nötig. Bis dahin wurden wir in der Sonne gebraten und dachten uns zur Abkühlung allerlei Schabernack aus. Für Aufregung sorgte vorübergehend eine Sturmmeldung der Amerikaner. Südlich von unserem Gebiet sollten gemeldete 90 Knoten durchjagen. Uns unerklärlich. Wir haben es später für eine Fehlermeldung gehalten, da äquatornah keine Hurrikane auftreten können und auch Gewitter kaum derart starke Böen entwickelt. Natürlich waren wir aber erst einmal unsicher und zu allem Überfluss hielten die Amerikaner es auch noch für möglich, dass sich im karibischen Becken in den anschließenden 36 Stunden ein tropischer Wirbelsturm bilden könnte. Eine Weile haben wir ordentlich geschwitzt, bis die Entwarnung kam.
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Nun gut, dann bekamen wir ein paar Tage noch das, was für eine derartige Seereise eigentlich angemessen ist: anspruchvolleres Wetter. Obgleich es zu keinem Zeitpunkt gefährlich war so durch vom Himmel stürzende Wassermassen, hohen Seegang mit teils brechenden Kreuzseen und immerhin bis 35 Knoten Wind zu fahren, war es nicht besonders angenehm. Leider beschädigten wir das Hydrauliksystem zur Einstellung von Ruder und Schwerthöhe. Unangenehmere Folgen blieben allerdings aus, nicht zu letzt weil wir ein komplettes Ersatzteil- und Werkzeugsortiment an Bord hatten und den Schaden schnell reparieren konnten. Ansonsten traten nur geringe Schäden auf, so zum Beispiel an den Segellatten, die nicht brachen, sich aber immer wieder aus der Tasche herausarbeiteten und daraufhin festgenäht werden mussten.
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Schließlich sichtete Caro am frühen Morgen des 6.12. Land. Am Horizont erschien die Insel Maria Galante vor Guadeloupe. Mit etwa 9 Knoten jagten wir aufs Eiland zu bis wir uns in einem treibenden Fischernetz verfingen. Das kostete uns einige Minuten, konnte uns aber natürlich nicht aufhalten. Schließlich sind wir auf alles vorbereitet und haben ein für Tag- und Nachteinsätze bestens ausgestattetes Tauchschiff. Mit dem Sonnenaufgang erblickten wir dann das erste westindische Ziel, die Insel Dominica, leidenschaftlich geliebt von mir, dem Skipper, weil sie sich gegenüber den Nachbarinseln ihre Natürlichkeit bewahrt hat. Schon weit vor der anvisierten Reede hatten wir einen Guide organisiert. Mit dem Fallen des Ankers wurden wir zur Überraschung der Nachbarn schon mit Brot, Obst und Gastflagge beliefert, die unsere selbst gemalte ersetzte.
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Nach dem friedvollen Atlantik stürzten wir uns nun ins karibische Abenteuer. Aufgrund des straffen Zeitplans wollten wir keine Minute verlieren und starteten schnell mit unserem Guide zur Erkundung der Insel. Schon bald verstanden alle Mitsegler, warum ich unbedingt diese Bucht ohne Hafen, ohne Dusche, ohne Bunkerstation und ohne Waschmaschine am Ende der Überquerung anlaufen wollte.
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Wozu braucht man auch eine Dusche, wenn man im tropischen Regenwald unter einem Wasserfall stehen kann? Es war fantastisch, die Eindrücke prasselten auf uns herein und wir bekamen sogar eine Boa Constructor zu Gesicht. Wir stopften uns mit Südfrüchten voll, kosteten die lokalen Getränke und tanzten schon am selben Abend auf einer einheimischen Reggaeparty, bevor wir am nächsten Mittag zum Kontrastprogramm aufbrachen. Abends gab es noch ein Essen auf den vorgelagerten Iles des Saintes und nachts segelten wir nach Antigua.
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English Harbour und die Umgebung sind das krasse Gegenteil von Dominica, nicht minder schön aber weitgehend erschlossen. Zahlreiche Megayachten okuppieren die Liegeplätze und europäische Segeltouristen bevölkern das Land.
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Hier ist jeder von uns mal allein über die Insel gezogen. Nach Wochen des Lebens auf engem Raum ist es mal ganz schön alleine oder in kleiner Gruppe die Gegend zu erkunden und durchzuatmen. Schon abends waren wir aber wieder gemeinsam unterwegs und im Abracadabra am Feiern.
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Da die anschließende Nachtfahrt wieder sehr zügig war, machten wir am nächsten Morgen einen kurzen Zwischenstopp auf St. Barth. Herrlich, wie unkompliziert und günstig so eine Klarierung verlaufen kann! Ganz zu schweigen von den französischen Supermärkten- was es da alles gibt… .
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Der nächste Stopp erfolgte nur ein paar Meilen weiter in der Bucht von Ile Fourche. Hier gab es ein Mittagessen mit anschließendem Schnorcheln, bevor wir schließlich die Weiterfahrt nach St. Maarten antraten, auf der wir Felix zum Fotografieren des segelnden Schiffes ein paar Minuten im Beiboot aussetzten.
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Am 10.12. erreichten wir also das Ziel des Transatlantiktörns. In den anschließenden Tagen drehte sich alles um Proviantierung und Instandsetzung. Bis zum Schluss gab die ganze Mannschaft alles.
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An dieser Stelle deshalb von meiner Seite aus nochmals ein aufrichtiges Danke an alle, die diesen Törn für mich so unproblematisch gemacht haben. Danke Caro, Dimi, Felix, Jürgen, Klaas und Peter (in alphabetischer Reihenfolge) Ihr ward alle super, keinen möchte ich missen.
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Eine Transatlantik-Überquerung auf ALDEBARAN, das ist nicht einfach nur eine Überquerung. Wer dabei war, der weiß das, wer ALDEBARAN kennt, der kann es sich denken, und wer nicht versteht, warum wir uns dafür einsetzen, dem sei gesagt, wir sind bei Sinn und Verstand und fühlen uns gut dabei! Wir machen hier alles andere als Urlaub, sind im Gegenteil richtig platt und bräuchten mal eine Auszeit, aber auch hier gilt wie im uns ständig unterstützenden Hamburger Büro der Leitsatz: Wir geben nie nie nie niemals auf!
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Boca Chica, Dominikanische Republik, 23.12.06
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Felix ist weg. Heute um 15 Uhr ist er in ein Taxi gestiegen, morgen wird er schon wieder in München sein. 4590 Seemeilen hat er seit Oktober bei seiner Ankunft an Bord auf den Kanaren mit uns im Kielwasser zurückgelassen. Mit ihm verlieren wir unseren bisher treusten Mitsegler. Im Namen von ALDEBARAN möchte ich ihm meinen Dank aussprechen. Nicht nur in nautischer Hinsicht hat er an Bord hervorragende Leistungen gezeigt. Danke und Aloha, Fiete!
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Nachdem uns nun drei Mitsegler aufgrund von „behördlichen Problemen“ in St. Maarten verlassen hatten, erholten wir uns nach Ankunft unseres neuen Mitseglers Dieter zunächst in die Simpson Bay Lagune einige Meilen weiter, wobei wir in mitten der Lagune schließlich auch den französischen Teil der Insel erreichten. Am Folgetag passierten wir den Lagunenausgang in Richtung Marigot, ein weiteres Mal passierten wir eine der Hubbrücken, die richtige Hollandgefühle weckten. Hier trafen wir schließlich auf die französische Segelyacht Yodi, die in den Folgetagen bis Neujahr eine ähnliche Route geplant hat. Mit ihnen segelten wir dann am nächsten Tag auf die nördlichere Insel Anguilla, bekannt als Tauchparadies, was wir auch zu ausgiebigem Schnorcheln an mehreren Riffen nutzten. Nd es ging noch zum berühmten Sandy Island. Von hier machten wir uns zu den Jungferninseln auf, wobei wir uns aufgrund der behördlichen Schikanen für ausländische Yachten auf die britischen Inseln beschränkten und einen angemessenen Bogen um den US-amerikanischen Teil machten. Wir steuerten zunächst Virgin Gorda an. Dieser Name weckte bei mir Erinnerungen an eine gleichnamige Segelyacht, vielen die diese Zeilen lesen wird es ähnlich gehen. Dieses Schiff hat die Insel im Gegensatz zur ALDEBARAN allerdings niemals erreicht. Nach dem mal wieder aufregenden Behördengang beschlossen wir zusammen mit Yodi, für die Nacht in den im Norden gelegenen Gordasund zu segeln. Das bedeutete ein paar Kreuzschläge. Am Wind waren wir schon seit Wochen nicht mehr ernsthaft gesegelt und hatten viel Spaß, bis leider ein Speedboot nur wenige Meter von uns entfernt vorbeijagte. Sehr ärgerlich, da es unsere kostbare Angelleine kappte, aber wir revanchierten uns dafür mit einem allgemeinen Funkspruch und identifizierten den Speedrowdy mit Namen und als zudem unliebsamen und zu meidenden Verkehrsteilnehmer.
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Statt Dorade also Ravioli aus der Dose? Nein, zusammen mit Yodi bekamen wir in dieser schönen Ankerbucht ein Notprogramm auf die Beine gestellt und der Ärger war bald vergessen. Am Folgetag kreuzten wir ein weiteres Stück auf, um eine besonders schöne kleine Insel mit drei Palmen genauer unter die Lupe zu nehmen. Wer das Hintergrundbild von Microsoft kennt, kann sich vorstellen, wovon wir reden. Von Yodi aus wurden wir beim Passieren von Microsoft-Island unter unserem gleichnamigen Spi im Bild festgehalten, bevor wir gemeinsam weiter in Richtung Tortola segelten. Mit Sonnenuntergang erreichten wir die angepeilte Bucht, der Spi wurde geborgen und zum ersten Mal seit drei Tagen musste unser Motor wieder seinen Dienst antreten, obgleich eher aus energietechnischer Hinsicht.
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Bis dahin hatten wir dieses besonders einfache Segelrevier, zur seglerischen Ausbildung genutzt und waren nicht zuletzt zum Erstaunen der anderen „Ankerlieger“ quer durch deren Reihen gekreuzt, um schließlich in erster Reihe unseren Liegeplatz per Aufschießer einzunehmen. Zum Erstaunen aller, weil Schiffe von unserer Größe im meist flachen Wasser eigentlich gar nicht liegen können, wir jedoch einfach nur Schwert und Ruderblatt heben mußten.
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Tortola hielt weitere Überraschungen für uns bereit, einerseits in Form horrender Liegegebühren für einen kurzen Stopp zum Wasserbunkern, zum anderen durch die kitschig schöne winterliche Weihnachtsdekoration in den Straßen.
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Kurz darauf ging es weiter in Richtung Dominikanische Republik, bei idealen Bedingungen und Top-Aussichten. Wir hielten uns weit südlich von Puerto Rico, um den thermisch bedingten küstennahen Windschwankungen sowie dem unangenehmen Seegang der Monapassage zu entgehen. Tag und Nacht zog uns der Spi weiter gen Westen, nur kurzfristig mussten wir ihn beim Durchgang einer Front bergen und auch das Großsegel reduzieren. Während Felix und Caro mal wieder durch prasselnden Regen segelten, kümmerte ich mich schon mal um Behördenbeschleuniger, indem ich die Weihnachtsbäckerei anfeuerte und emsig Plätzchen produzierte.
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Schließlich erfolgte der vermutlich letzte Sonnenuntergang für die ALDEBARAN auf See in diesem Jahr und definitiv der letzte für Felix und Dieter, was wir entsprechend würdigten. Mit dem ersten Licht erreichten wir am nächsten Tag San Pedro östlich Santo Domingo, einen der wenigen offiziellen Erstklarierungshäfen der Dominikanischen Republik. Zweifellos kein besonders populärer, da wir beim Befahren der in die Stadt führenden Flussmündung aus allerlei Behausungen am Ufer bestaunt wurden. Zu mehr reichte es leider nicht, da wir nach über einer Stunde nichts erreicht hattenund aufgrund des Zeitplans weiter nach Westen eilten. Glücklicherweise erreichten wir über Funk irgendwann einen freundlichen Sachkundigen, der uns eine Einklarierungsmöglichkeit im nur wenig entfernten Zielhafen von Boca Chica zusicherte. Für Felix war dies die letzte Gelegenheit auf See, einen Blick zurück nach Osten zu werfen, was durch einen Regenbogen beinahe unwirklich wirkte.
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Schließlich lotste man uns durch die nicht einfache Anordnung von Riffen in die Marina, einer echten Blauwassersegler-Oase mit allen erträumten Facilities. Kaum fest gemacht, hatten wir die Behörden auch schon an Bord. Nach ein wenig „Sunshine Money“ hämmerten sie in die Seite für Kinder einen Einreisestempel in meinen Pass. Na super! Schließlich kam noch das Militär an Bord, um sicherzustellen, dass wir keine nationale Bedrohung darstellen.
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Auch sie verabschiedeten sich erst nach dem Genuss von „Behördenbeschleunigern“ und kleinen Weihnachtsgeschenken. Einige Flaschen Helgoländer Wein lösten auch dies, offenbar leider nicht hinreichend, denn am nächsten Tag mussten Dieter und Felix nochmals Zeit und Geld opfern, um das Schiff offiziell für die Heimreise verlassen zu dürfen. Die Dominikanische Republik war für uns bisher eher schockierend. Türkisblaues Wasser von 28 Grad, weißer Strand, strahlender Sonnenschein… alles schön und gut, auch der 6m lange weiße Hai, den eine benachbarte Yacht gestern in der Bucht 2 Stunden lang am Haken hatte, kann noch als beeindruckend angesehen werden. Aber ansonsten prallen hier die Gegensätze von Arm und Reich mal wieder besonders krass aufeinander. Die Besitzer, der in der Marina liegenden Yachten, fahren teils im Porsche vor, während die Menschen vor der bestens bewachten Schranke zum Gelände am oder unter dem Existenzminimum leben und wenige Kilometer weiter westlich in Haiti kriegsähnliche Zustände herrschen.
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Bei der Besichtigung des nahe gelegenen Touristenzentrums fielen uns unangenehm häufig kalkfarbene Europäer jenseits des Idealgewichts in verschwitzter Feinrippoberbekleidung beim Verschwinden mit viel zu jungen Inselschönheiten auf. Zustände wie man sie sich in den übelsten Ecken Asiens ausmalt. Es zog uns im wahrsten Sinne des Wortes zurück aufs Meer, nichtsdestotrotz hatten wir nun den Startpunkt der eigentlichen Karibikexpedition erreicht und waren darüber nach den zurückliegenden langen Wochen auf See durchaus glücklich. 111 Tage und über 7000 Seemeilen liegen seit Hamburg hinter uns, über 50000 Seemeilen sind es nun auf meinem persönlichen Konto. Nun geht es also in wenigen Tagen los und gespannt blicken wir wie immer in die Zukunft, für die wir das Schiff ein weiteres Mal auf Hochglanz gebracht haben. Zum Glück an einem Ort, wo uns Strom, Wasser und sogar ein Staubsauger zur Verfügung stehen. Bis dahin gilt es noch Weihnachten zu bestreiten, Grund genug, allen ein Frohes Fest und auch einen Guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen, die unsere Reise verfolgen. Bis nächstes Jahr, die Crew der ALDEBARAN wünscht Alles Gute!
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