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In memoriam Elisabeth Mann Borgese

 
Im April 2002 wäre sie 84 Jahre alt geworden, die älteste und aktivste Botschafterin für die Meere, die Lieblingstochter von Thomas Mann, Elisabeth Mann Borgese. In Folge einer Lungenentzündung starb sie am 8. Februar während ihres Ski-Urlaubs in der Schweiz.
Auf allen gesellschaftlichen Ebenen war sie die Vorreiterin für eine weltweit gerechte Verteilung der Ressourcen der Ozeane. Ständig begleitet von einem Lachen, arbeitete sie Tag und Nacht bis ins hohe Alter, stets über ihr Notebook mit Freunden in aller Welt verbunden. Ihre Energie schien unendlich, ihr Einsatz zur Erhaltung der Ozeane unnachgiebig. Ihr Leben galt den Meeren – spielte sich in der ganzen Welt ab, von Flughafen zu Flughafen von Hotel zu Hotel, Menschen treffen, reden, Interviews. Nur wenige Tage zwischendurch gönnte sie sich in ihrem Domizil in Halifax, Kanada, direkt am Meer gelegen.
Mit dem von ihr ins Leben gerufenen International Ocean Institute hat sie es geschafft, über Ländergrenzen hinweg das weltweit größte Netzwerk von Meeresinstituten zu etablieren. Die Teilnehmer dieses Netzwerkes beschäftigen sich sowohl mit ökologischen als auch mit rechtlichen Fragestellungen. Dass Deutschland sich bis heute nicht an diesem Netzwerk beteiligt, sei nur am Rande erwähnt – und wird sich hoffentlich noch in ihrem Sinne ändern.
Seit Anbeginn war Elisabeth Mitglied des ALDEBARAN Kuratoriums. Sie war eine der ersten, die die weltweite Bedeutung des Forschungsschiffes ALDEBARAN schätzen gelernt hat und es bereits 1991 zu ihrer jährlichen Konferenz des International Ocean Institute unter dem Titel „pacem in maribus“ nach Malta einlud. Wo immer sie konnte, hat sie sich für die Idee einer effektiven Kommunikation über die Meere stark gemacht.
Seit 1980 hatte sie eine Professur für Politische Wissenschaft und Internationales Seerecht an der Universität von Halifax inne. In vielen Veröffentlichungen entwickelte sie den Entwurf einer globalen Politik der „Ozeansichtweise“. Als erste und lange Zeit einzige Frau im „Club of Rome“ hat sie versucht, auf die Bedrohung unseres größten und für die Zukunft der Menschheit bedeutendsten Ökosystems aufmerksam zu machen. In ihrem Buch „Mit den Meeren leben“ erwähnt sie sowohl die Bedrohung als auch die Chancen der Ozeane für die Zukunft der Menschheit. Aber nicht alle Menschen wollten sie verstehen, wenn sie versuchte zu erklären, dass wir die Meere nur retten können, wenn wir unser kurzsichtiges Profitdenken zügeln. Insbesondere die Chancen der Meere lagen Elisabeth Mann Borgese am Herzen; vielleicht werden die Menschen es einmal verstehen, wenn sie die Einsicht gewonnen haben, dass die Ozeane nicht nur schön, sondern auch wichtige Lebensräume auf dem Planeten Erde sind.

Frank Schweikert

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